Das rettende Ufer rückt näher

Mit 23:21 (11:11) gewannen die Bayernligahandballer des TSV 2000 Rothenburg ihr Auswärtsspiel beim TSV Haunstetten. Durch den Erfolg beim direkten Konkurrenten trennt die Tauberstädter aktuell nur noch ein Punkt vom ersten Nichtabstiegsplatz.

„Auswärtssieg! Auswärtssieg!“ so tönte es am Samstagabend um 21.30 Uhr durch die Haunstetter Albert-Loderer-Sporthalle. Während die Gäste ausgelassen auf dem Spielfeld tanzten saßen die Gastgeber niedergeschlagen auf selbigem. Wenige Minuten zuvor hatten die Schützlinge des scheidenden Rothenburger Trainers Csaba Szücs mit dem zweiten Auswärtssieg in Folge wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt erreichen können. In einer dramatischen Schlussphase, in der die Hausherren die Gästeführung Tor um Tor verkürzen konnten, behielten die Rothenburger die Nerven und kamen letztlich zum verdienten Erfolg. Die Partie begann sehr schleppend, man bemerkte schnell, dass in beiden Mannschaften wichtige Spieler fehlten oder nur angeschlagen mitwirken konnten. Auch der Druck, angesichts der Tabellensituation zum Siegen verdammt zu sein, lastete schwer auf den Schultern aller Akteure. Immer wieder leisteten sich beide Teams technische Fehler und Fehlwürfe. In der elften Spielminute konnte Torhüter Bartek Pawlak, der den angeschlagenen Andreas Amann hervorragend vertrat, beim Stand von 4:3 für Haunstetten mit einem gehaltenen Siebenmeter-Strafwurf das erste Ausrufezeichen für die Gäste setzen. Vier Minuten später gelang dann Ivan Skaramuca der Ausgleich zum 5:5, eine Minute später war es David Winheim, der die Rothenburger erstmals in Führung brachte (6:5). Die Hausherren konnten den Spieß mit zwei Toren zwar wieder umdrehen, drei Tore, erzielt von Ivan Skaramuca, Thomas Krauter und David Winheim, der als einer der wenigen Gästespieler mit der offensiven Deckungsformation der Hausherren gut zurecht kam, bedeuteten dann die erste Zweitore-Führung der Tauberstädter (9:7, 22. Minute). Bis zur Halbzeitpause konnten die Gastgeber den Rückstand dann wieder ausgleichen, so dass beim Stand von 11:11 die Seiten gewechselt wurden.

Gleich im ersten Angriff des zweiten Durchgangs mussten die personell schon gebeutelten Szücs-Schützlinge dann den nächsten Verletzungsrückschlag hinnehmen. Der in Halbzeit eins stark aufspielende David Winheim prallte nach einem heftigen Foul eines Gegenspielers, der hierfür eine Zeitstrafe erhielt, unglücklich auf dem Hallenboden auf und musste verletzt ausscheiden. Die Überzahl nutzten die Tauberstädter durch Ivan Skaramuca zur 12:11-Führung. Diese bauten sie bis zur 43. Minute auf 16:13 aus, Torschützen für die Gäste waren Andreas Kister, Tim Ehrlinger und Nedim Jasarevic (2). Haunstetten konnte zwar bis auf ein Tor Rückstand verkürzen (15:16, 47.), ein Dreierpack von Gabi Gluhak, Andreas Kister und Ivan Skaramuca bedeutete dann aber acht Minuten vor Spielende die Viertoreführung der Tauberstädter. Nun brach die eingangs erwähnte dramatische Schlussphase an, auf die die Rothenburger in dieser Saison anscheinend nicht verzichten können. Nach einem Tor der Hausherren erzielte Nedim Jasarevic zwar den Treffer zum 20:16, kurz darauf schickten ihn die Unparteiischen Peter Abel und Christian Herpolsheimer (Stadeln/Erlangen-Bruck) aber für zwei Minuten auf die Strafbank. Den fälligen Siebenmeter verwandelte Haunstettens bester Torschütze, Sebastian Smotzek, zum 17:20. Nikolas Singer und erneut Smotzek per Strafwurf konnten dann für die Gastgeber auf 19:20 verkürzen. Ivan Skaramuca verwandelte dann den einzigen Siebenmeter-Strafwurf, den die Gäste zugesprochen bekamen, zum 21:19 aus Rothenburger Sicht. Die Zweitoreführung hatte aber nur kurz Bestand, Maximilian Schnitzlein, den die Gästeabwehr zuvor gut im Griff hatte, verkürzte direkt nach dem Anwurf wieder auf ein Tor (21:20,59.). Die Hausherren versuchten nun ihr Glück mit einer offenen Manndeckung, was aber nicht von Erfolg gekrönt war, Gabi Gluhak traf zur 22:20-Führung. Erneut war es Schnitzlein, der die Lücke in der nach dem Anwurf noch unsortierten Rothenburger Deckung entdeckte und zu Beginn der Schlussminute zum 21:22 verkürzte. Anders als noch in der Begegnung gegen Friedberg vor einigen Wochen unterlief den Tauberstädtern in der Schlussminute kein Abspielfehler mehr. Der Ball blieb in den eigenen Reihen und gelangte schließlich zu Phillip Schemm, dem zwölf Sekunden vor Spielende mit einem sehenswerten Heber von Linksaußen der entscheidende Treffer zum 23:21 gelang. Die Trommeln der heimischen Fans verstummten schlagartig und die konsternierten Hausherren probierten es gar nicht mehr, in den verbleibenden Sekunden ein Tor zu erzielen. Somit bedeutete Schemms Treffer auch den Endstand der Partie.

Da bei der Angriffsleistung der Tauberstädter erneut viel Sand im berühmten Getriebe war, lag die Basis für den Erfolg in einer ordentlichen Deckungsarbeit. Insbesondere dass man die beiden Haunstetter Haupttorschützen Florian Zimmerly und Maximilian Schnitzlein nicht zur Entfaltung kommen ließ, war letztlich entscheidend. Mit dem Erfolg in diesem Vierpunktespiel haben die Tauberstädter den Rückstand zu den punktgleichen Mannschaften aus Landshut, Lohr und Haunstetten auf einen Punkt verkürzen können und haben weiter alle Möglichkeiten, den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen. Auch haben sie mit den Erfolgen in den letzten beiden Auswärtsspielen bewiesen, dass sie auch in der Fremde gewinnen können, wichtig für die noch kommenden Spiele beim Eichenauer SV und der HSG Würm-Mitte. Am kommenden Samstag kommt aber zunächst der aktuelle Tabellendritte VfL Günzburg in die Rothenburger Mehrzweckhalle. Mit Erfolgen gegen Mannschaften aus den Top-Drei der Liga kennen sich die Tauberstädter ja aus. Warum also nicht auch gegen Günzburg gewinnen?

Rothenburg:Pawlak (1.-60.), Amann (n.e.), Sand (n.e.) (Tor); Schemm (1), Kulas, Gluhak (2), Ehrlinger (1), Schmidt, Kister (3), Skaramuca (7/1), Winheim (3), Jasarevic (4), Krauter (2)

Haunstetten: Fischer, Rothfischer (Tor); Manz (2), Zimmerly (1), Paulik, Plank, Schnitzlein (4), Smotzek (7/3), Jankrift (1), Singer (2), Besel, Gaedt (1), Wiesner (3)

Spielverlauf: 1:0, 3:3, 5:6, 7:9, 9:9, 11:11 (HZ); 12:14, 13:16, 15:16, 15:19, 19:20, 21:23

Siebenmeter: Rothenburg 1 (Skaramuca trifft)

Haunstetten 4 (Smotzek trifft 3, Zimmerly verwirft 1)

Zeitstrafen: Rothenburg 3 (Kulas, Schmidt und Jasarevic je 1)

Haunstetten 4 (Zimmerly, Smotzek, Singer und Wiesner je 1)

Schiedsrichter: Peter Abel und Christian Herpolsheimer (Stadeln/Erlangen-Bruck)

Zuschauer: 98