Drama ohne Happyend

Die Landesligahandballer des TSV 2000 Rothenburg erreichten gegen den Tabellenführer ASV Cham ein 28:28-Unentschieden. In der zweiten Hälfte gaben die Tauberstädter dabei eine deutliche Führung noch aus den Händen und auch in der dramatischen Schlussphase schafften sie es nicht, den nächsten Heimsieg einzufahren.

Die Anfangsphase gehörte eindeutig den Hausherren, die gegen den mit nur acht Feldspielern angetretenen Tabellenführer aus der Oberpfalz schnell mit 3:0 in Front lagen und Gästetrainer Filip Turecek damit zwangen, schon in der vierten Spielminute eine Auszeit zu nehmen. Diese sollte aber zunächst wirkungslos verpuffen, in der 10. Minute führten die Hausherren schon mit 7:2. Die Abwehr der Rothenburger präsentierte sich aufmerksam und unterstützt von seinen Vorderleuten konnte Torhüter Arnold Kiss einige gute Einwurfmöglichkeiten der Gäste vereiteln. Sein Gegenüber Marius Bistrian brachte dagegen in den Anfangsminuten kaum eine Hand an das Spielgerät. Nach der furiosen Anfangsphase schalteten die Jungs von Trainer Bernd Becker dann aber unverständlicherweise um einige Gänge zurück. Statt das Tempo hochzuhalten und den dezimierten Gast zum Laufen zu zwingen, gestalteten sie den Spielaufbau behäbig und spielten damit den Chamern in die Karten, die den Vorsprung auf drei Tore reduzieren konnten. Neben dem langsamen Spielaufbau agierte auch die Deckungsreihe der Tauberstädter nun sehr viel zurückhaltender und im Angriff wurden einige gute Torchancen ausgelassen. Die Dreitoreführung hatte auch am Ende der ersten Hälfte noch Bestand, beim Stand von 16:13 wurden die Seiten gewechselt. Zu Beginn der zweiten Hälfte schafften es die Becker-Schützlinge dann zunächst, die Führung wieder auf fünf Tore auszubauen (19:14, 35. Minute), den nie aufsteckenden Gästen gelangen dann aber drei Tore am Stück, wodurch sie auf 19:17 verkürzen konnten (39.). Nach wie vor schafften es die Hausherren nicht, wieder zum Tempo der Anfangsphase, das die Gäste vor große Probleme stellte, zurückzukehren. Nach Ballgewinnen wurde immer wieder der schnelle Gegenangriff abgebrochen und den Gästen damit ermöglicht, ihre Abwehrreihe zu formieren. Da die eigene Deckung oftmals nur halbherzig agierte konnten die Gäste in der 46. Minute durch Petr Tahovsky den Ausgleich zum 21:21 erzielen. Neun Minuten später gingen sie dann sogar erstmals in Führung, Torschütze zum 24:25 war Matyas Mandaus. Nun begann die eingangs erwähnte dramatische Schlussphase, in der die Tauberstädter durch David Winheim und Nikola Stojanov zunächst den Rückstand wieder in eine Führung verwandeln konnten (26:25, 55.). Samuel Orlovsky schaffte für Cham den Ausgleich und David Winheim brachte die Hausherren per Siebenmeter wieder in Front (27:26, 57.). Direkt anschließend vergaben Philipp Schemm und Tim Ehrlinger in aussichtsreichen Positionen frei vor Torhüter Bistrian und verpassten damit die Möglichkeit, die Entscheidung herbeizuführen. Chams Kreisläufer Lucas Klima erzielte den Ausgleich zum 27:27 und 15 Sekunden vor Spielende wurde Phillip Schemm von Torhüter Kiss auf die Reise geschickt und vollendete den Gegenstoß zum 28:27. Die Tauberstädter schafften es dann aber nicht, den schnellen Anwurf der Gäste zu unterbinden, ungeordnet in der Abwehr ließen sie Samuel Orlovsky unbedrängt den Treffer zum28:28 erzielen. Die Dramatik erreichte direkt anschließend den Höhepunkt: Trainer Becker nahm nach dem Chamer Treffer absolut richtig eine Auszeit um seine Mannschaft für den letzten Angriff des Spiels zu ordnen. Als die Unterbrechung durch den Zeitnehmer erfolgte, war aber der Ball gerade in Richtung leeres Chamer Tor, die Gäste hatten für ihren letzten Angriff einen Spieler mehr aufs Feld beordert, unterwegs. Da das Spiel unterbrochen wurde, bevor der von Nikola Stojanov abgefeuerte Wurf im Gästetor einschlug, zählte der Treffer aber nicht. Wäre das Signal zwei Sekunden später ertönt, hätte der Treffer gezählt und die Rothenburger wären als Sieger vom Parkett gegangen. Da der letzte Angriff dann wirkungslos verpuffte, mussten die Tauberstädter mit der Punkteteilung zufrieden sein.

„Es ist sehr ärgerlich, dass wir das Spiel nicht gewinnen konnten. Phasenweise haben wir sehr guten, schnellen Handball gespielt, warum wir das, entgegen der Anweisungen des Trainers, nicht weiter durchgezogen haben, ist mir unerklärlich. Somit war auch dieses Spiel ein Spiegelbild der gesamten Saison mit sehr wechselhaften Leistungen“ zeigte sich der Rothenburger Abteilungsleiter Norbert Fink nach dem Spiel enttäuscht.

Rothenburg: Kiss (1.-44., 54.-60.), Sand (44.-54.) (Tor); Schemm (1), Wurst (1), Kulas, Tim Ehrlinger (3), Schmidt, Koppler, Anton Ehrlinger, Winheim (7/2), Jasarevic (1), Stojanov (8), Krauter (3), Skaramuca (4)

Cham: Bistrian, Schindler (Tor); Klima (3), Maier (3), Mandaus (7), Orlovsky (7/2), Tahovsky (5), Wittmann, Steif (3), Kagermeier

Spielverlauf: 3:0, 7:2, 10:5, 11:8, 16:13 (HZ); 17:13, 19:14, 19:17, 20:19, 21:21, 24:25, 27:26, 28:28

Siebenmeter:
Rothenburg 3 (Winheim trifft 2, verwirft 1)
Cham 2 (Orlovsky trifft beide)

Zeitstrafen:
Rothenburg 4 (Schmidt 2, Koppler und Stojanov je 1)
Cham 7 (Klima und Steif je 2, Mandaus, Tahovsky und Wittmann je 1)

Schiedsrichter: Tobias Ebeling und Niko Ertel (SG Kernfranken/MTV Stadeln)

Zuschauer: 400