Eine Lehrstunde

Mit 32:16 (17:6) mussten sich die Bayernligahandballer des TSV 2000 Rothenburg dem Tabellenführer HSC Bad Neustadt geschlagen geben. Die aktuelle Übermannschaft des bayerischen Handballoberhauses erteilte dabei den verunsicherten Tauberstädtern in Bezug auf durchschlagskräftige Angriffsaktionen, geringe Fehlerquote und kompromisslose Deckungsarbeit eine Lehrstunde.

Der Drittligaabsteiger aus der bayerischen Rhön gab sich vor den beiden Spitzenspielen gegen HaSpo Bayreuth und die DJK Waldbüttelbrunn auch gegen die Szücs-Schützlinge von der Tauber keine Blöße. Auch den Ausfall von Martin Bieger und Maximilian Drude, der dazu führte, dass Trainer Chrischa Hannawald nur neun Feldspieler und zwei Torhüter aufbieten konnte, steckte der Klassenprimus ohne Qualitätsverlust weg. Lediglich die ersten zehn Spielminuten war noch etwas Sand im Getriebe des HSC, zu diesem Zeitpunkt führte man mit 3:2 und war durch Maximilian Schmitt und Gary Hines bereits zwei Mal bei Siebenmeter-Strafwürfen am Rothenburger Torhüter Bartek Pawlak gescheitert. Dessen Vorderleute konnten daraus aber kein Kapital schlagen, Ivan Skaramuca hatte zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon einen Siebenmeter verworfen und es deutete sich bereits an, dass die gut gestaffelte Abwehrreihe die Tauberstädter vor größte Probleme stellen sollte. Die Gastgeber legten dann einen ersten Zwischenspurt mit vier Toren in Folge zum 7:2 ein. Immer wieder zeigten in dieser Phase die guten Schiedsrichter Daniel Langner und Bernd Liebsch Zeitspiel der Heimmannschaft an, kurz vor dem Pfiff der Unparteiischen kam Bad Neustadt aber immer wieder durch die wuchtigen Rückraumspieler Hines und Singwald zum Torerfolg. Phillip Schemm konnte dann das 7:3 und das 8:4 erzielen, fünf Minuten ohne Treffer für Gäste führten dann aber zum Spielstand von 13:4 für die Gastgeber. Ivan Skaramuca wurde durch den vorgezogen deckenden Gary Hines völlig aus dem Spiel genommen und es häuften sich die Fehlwürfe und technischen Fehler auf Seiten der Tauberstädter. Bis zur Pause baute der HSC seine Führung bis auf 17:6 aus und die Messe war für die Szücs-Truppe bereits früh gelesen.

Auch nach der Pause zog der Meisterschaftskandidat aus Bad Neustadt konsequent sein Spiel durch, in der 40. Spielminute war der Vorsprung dadurch bereits auf 14 Tore (23:9) angewachsen. Insbesondere Vilim Leskovec zeichnete sich als Torschütze (insgesamt 11 Tore) und als Anspieler der Kreisläufer Julian Bötsch und Franziskus Gerr aus, die von den Rothenburger Abwehrspielern nie zu halten waren und zusammen auf zehn Treffer kamen. Ab der 40. Minute wurde dann Bartek Pawlak im Tor der Tauberstädter durch Luca Sand ersetzt, der mit einigen guten Paraden dazu beitragen konnte, dass der Rückstand zunächst nicht weiter anwuchs. Zwischen der 49. und der 55. Minute herrschte dann wieder Torflaute auf Rothenburger Seite, wodurch die Hausherren ihren Vorsprung auf 16 Tore ausbauen konnten. Diese Differenz hatte auch beim Schlusspfiff noch Bestand, der letzte Treffer des Spiels blieb dem erfolgreichsten Torschützen, Vilim Leskovec, vorbehalten, der einen Siebenmeter zum 32:16-Endstand verwandeln konnte.

Wie schon im gesamten Verlauf der Saison zeigte der HSC Bad Neustadt auch gegen Rothenburg, dass er in Normalform zu stark für die Bayernliga ist. Selbst mit einem reduzierten Kader von nur neun Feldspielern kann die Mannschaft von Chrischa Hannawald ihr Spiel ohne Qualitätsverlust über 60 Minuten durchziehen.„Heute hat man gesehen, was passiert, wenn eine erfolgreiche und selbstbewusste Spitzenmannschaft auf einen verunsicherten Gegner trifft. Neben aller spielerischen und körperlichen Überlegenheit des HSC hat sich meine Mannschaft auch immer wieder selbst Probleme bereitet“ so der Rothenburger Trainer Csaba Szücs zum Spiel. „Wir hatten schon Respekt vor der starken linken Angriffsseite der Rothenburger, letztlich haben wir das aber in der Abwehr sehr gut gelöst“ sprach Bad Neustadts Trainer Chrischa Hannawald von einem guten Spiel seiner Mannschaft. „Wir müssen nun schnell die Köpfe frei bekommen und in den letzten beiden Spielen des Jahres wieder punkten“ lenkte Csaba Szücs dann den Blick auf die Aufgaben der nächsten beiden Wochen. Um nicht weiter in den Tabellenkeller abzurutschen, müssen die Tauberstädter gegen die Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, HSG Würm-Mitte und TSV Lohr, unbedingt punkten.

Rothenburg: Pawlak (1.-40.), Sand (40.-60.) (Tor); Schemm (4), Kulas, Gluhak, Ehrlinger, Schmidt (1), Kister (4/3), Skaramuca, Winheim (1), Jasarevic (3), Stojanov (2), Krauter (1)

Bad Neustadt: Weber, Schmidl (Tor); Kleinhenz, Fraggis (2), Schmitt (2), Bötsch (4), Hines (4), Singwald (2), Kalliske (1), Gerr (6), Leskovec (11/6)

Spielverlauf: 1:0, 3:2, 7:3, 13:4, 14:6, 17:6 (HZ); 20:8, 23:9, 25:12, 27:14, 30:14, 32:16

Siebenmeter: Rothenburg 5 (Kister trifft 3, verwirft 1; Skaramuca verwirft 1)

Bad Neustadt 8 (Leskovec trifft 6; Schmitt und Hines verwerfen je 1)

Zeitstrafen: Rothenburg 5 (Jasarevic und Ehrlinger je 2; Gluhak 1)

Bad Neustadt 4 (Fraggis, Bötsch, Singwald und Kalliske je 1)

Schiedsrichter: Daniel Langner und Bernd Liebsch (Weitramsdorf / Hammelburg)

Zuschauer: 614